Drei Arten des Schreibens, die dich und deinen Text wachsen lassen

Farbstifte im WasserMit Freewriting kommen deine Gedanken in Fluss und landen auf Papier, so schreibst du mühelos lebendige Texte. Mit Aufschreiben kannst du ausdrücken, was dir wichtig ist und dich beschäftigt – Erfahrungen festhalten und für dein persönliches Wachstum «verarbeiten». Regelmässiges Schreiben unterstützt dein Wohlbefinden und wirkt sich positiv auf dein Immunsystem aus – hättest du das gedacht?

Freewriting (Wolfsberger 2016)

Judith Wolfsberger: Freewriting ist die beste und einfachste Methode, um in Schreibfluss zu kommen und frischen, lebendigen Text zu produzieren.

«Freewriting» heisst (frei) übersetzt, freies Schreiben oder sich frei schreiben. Es ist eine Methode um in den Schreibfluss zu kommen. Denn du darfst einfach drauflos schreiben, das fördert das eigenständige und ausdrucksstarke Schreiben. Diese Art des Schreibens eignet sich ausgezeichnet für Rohfassungen von Texten, die du entlang deiner eigenen Gedanken aufschreibst. Damit kannst du deinen Gedankenfluss in den Schreibfluss umleiten und damit auf Papier in Texform «bannen». Die Erlaubnis, einfach mal loszulegen ohne gleich zu bewerten, stärkt die rechte Seite des Gehirns. Diese unvoreingenommene Haltung wirkt sich positiv auf die Kreativität aus und dein «innerer Zensor», der Meister darin ist dem Schreibfluss entgegenzuwirken, kann eine Pause machen.

Freewriting in zehn Schritten

Anleitung von Judith Wolfsberger (nach Goldberg)

  1. Wähle einen Begriff oder ein Thema als Ausgangspunkt
  2. Stell einen Wecker/Timer (10, 15 oder 20 Minuten)
  3. Beginn einfach zu schreiben, was dir durch den Kopf geht
  4. Die schreibende Hand bleibt immer in Bewegung
  5. Lies nicht, was du geschrieben hast. Einfach weiterschreiben
  6. Nichts löschen oder wegstreichen
  7. Sorge dich nicht um Rechtschreibung usw.
  8. Verliere die Kontrolle, folge deinen Gedanken, Blödsinn ist ok
  9. Wenn du nicht mehr weiterweisst, schreib so lange «mir fällt nichts ein», bis wieder ein neuer Gedanke kommt
  10. Wenn die Zeit um ist, schreib den angefangenen Gedanken fertig und dann stoppst du, mit Vorfreude aufs nächste Mal

Tipps von Susanne

Wähle dir dein liebstes Schreibgerät für diese Übung, deinen favorisierten Untergrund, schaffe ein Feuerwerk für dein Erleben! Räume dieser Aktivität einen festen Platz in deinem Tagesablauf ein. Nutze «tote» Zeiten, z.B. das alltägliche Pendeln.

Damit die schreibende Hand immer in Bewegung bleibt, kannst du ganz in deine Wahrnehmung und in dein Erleben gehen. Erlaube dir auch, anstatt Gedanken einfach das aufzuschreiben, was du gerade alles erlebst mit allen Sinnen. Die Gedanken gesellen sich sicher bald dazu.

Anstatt eines Weckers empfehle ich dir eine Sanduhr. Sie schmeichelt Ohren und Augen und es gibt sie in verschiedenen Zeitmessgrössen. Ganz besonders möchte ich dich ermuntern, dich am Blödsinn zu freuen, der aus dem Stift fliessen wird. Übergib dich deinem Schreibfluss, es darf sich auch zum Zeichnen und Doodeln wandeln – was aufs Blatt will, soll aufs Blatt. Viel Spass!

Expressives Schreiben (Schubert, 2020)

Prof. Christian Schubert: Expressives Schreiben ist kein Schulaufsatz, der korrigiert wird. Es kann helfen, Erfahrungen zu verarbeiten und wirkt sich positiv auf die Immunaktivität aus.

Prof. Christian Schubert ist Psychoneuroimmunologe und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele zu erforschen und einem breiten Publikum zu erklären. In seinem Buch «Was uns krank macht, was uns heilt» geht er auf das Schreiben und die Immunaktivitiät ein und gibt eine Kurzanleitung zu der Art und Weise des Schreibens, die er «expressives Schreiben» nennt:

  • Wo und wann? Allein an einem ruhigen Ort, ungestört in dir entsprechender Atmosphäre.
  • Worüber schreiben? Persönlich sehr wichtige Erfahrungen, sehr belastende oder berührende Erlebnisse, wiederkehrende Träume, Vermiedenes und Aufgeschobenes.
  • Wie lange und wie oft? 3-4 Tage pro Woche, min. 15 Min. pro Tag (Wecker stellen). Gerade das wiederholte Anpacken eines unangenehmen Themas bringt dir die positiven Resultate des Schreibens.
  • Wie? Von Hand oder mit PC, möglichst ohne an Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion zu denken, wie es dir gefällt.
  • Was sollst du mit den Texten tun? Alles was du schreibst, ist nur für dich selbst bestimmt. Texte danach zerreissen, löschen, verbrennen … oder aufbewahren, falls du wirklich möchtest.

Wichtiger Hinweis

Prof. Schubert betont, dass gerade nach dem Schreiben Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Traurigkeit usw. nicht ungewöhnlich sind. Diese Gefühle sollten innerhalb einiger Stunden verschwinden. Falls ein bestimmtes Thema sehr starke negative Emotion auslöst oder besonders aufwühlend ist, rät dir Prof. Schubert, das Thema zu wechseln oder mit dem Schreiben ganz aufzuhören.

Schreiben für mehr Wohlbefinden (Seligman, 2015)

Martin Seligman: Wir denken zu viel über das nach, was in unserem Leben schiefgeht, und zu wenig über das, was gut läuft.

In «Wie wir aufblühen» gibt Seligman diverse Anleitungen und erläutert Studienergebnisse zu seinen Übungen, die stärkend wirken – besonders durch das Aufschreiben. Denn durch das regelmässige Aufschreiben des Erfahrenen ist die eigene Entwicklung gut nachzuverfolgen und der Blick auf deine Veränderung und die Wahrnehmung des Erlebten wird gefördert.

Wähle eine dieser vorgeschlagenen Übungen aus und widme dich ihr ca. für 6 Wochen. Dankbarkeit wirkt sich positiv auf dein Wohlbefinden aus und stärkt deine Widerstandskräfte. Steter Tropfen höhlt den Stein – aufschreiben unterstützt dich dabei, deine Gehirnstrukturen nachhaltig zu verändern und dein Bewusstsein für das Erleben mit allen Sinnen zu schärfen.

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Wie erlebst du das? Schreibe in den Kommentar, wenn du etwas teilen möchtest, was du beim Schreiben bzw. Ausprobieren einer solchen Methode erlebt hast. Kennst du weitere Methoden, das Schreiben für die persönliche Entwicklung zu nutzen? Wir sind gespannt auf deinen Geheimtipp!

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